Hallo Herr Nauth,
selbstverständlich können Sie diese Passage gern und kostenfrei in Ihrer Hausarbeit zitieren, sofern Sie für eine korrekte Quellenangabe Sorge tragen und sich im üblichen Umfang von maximal etwa 10 – 15 Zeilen / 1000 Zeichen bewegen. Auch gegen mehrere Zitate habe ich weder bei Ihnen noch bei anderen etwas einzuwenden, solange deren Quelle einwandfrei zu erkennen ist.
Sinn und Hintergrund des Copyright-Hinweises
Da der Copyright-Hinweis am Ende jeder Seite anscheinend zuweilen die Falschen verunsichert, will ich die Gelegenheit nutzen zu erläutern, was dessen Sinn und Hintergrund ist. Texte wie die unseren stehen ja ungeschützt und jederzeit kopierbar im Internet – was manche Zeitgenossen offenbar dazu veranlasst, sie als urheberrechtlich "herrenloses Gut" anzusehen, von dem sie sich nach Belieben bedienen können.
Beispielsweise machte uns letztes Jahr ein Kunde darauf aufmerksam, dass eine Unternehmensberatung mehrere Passagen aus unserer Website wörtlich für ihre Image-Broschüre verwendet hatte, "selbstverständlich" ohne Quellenangabe – und mit eigenem Copyright-Hinweis! Oder dass der Personalentwickler eines namhaften Hardware-Herstellers ungefragt einen ganzen Artikel für seine Hauszeitschrift übernommen hatte – und uns für diese Urheberrechtsverletzung mit dem treuherzigen Hinweis entschädigen wollte, dass "man" bei der bevorstehenden Fusion mit einem Wettbewerber bestimmt Beratungsbedarf haben werde.
Obwohl ich juristische Auseinandersetzungen eigentlich als vertane Lebenszeit ansehe, gehen wir bzw. unsere Anwältin gegen solchen Diebstahl geistigen Eigentums mittlerweile mit Abmahnungen und Schadensersatzforderungen vor, was für die Plagiateure kein ganz preisgünstiges Vergnügen ist. Wobei die Dunkelziffer vermutlich hoch ist, weil wir das bislang nicht systematisch recherchieren, sondern nur gelegentlich von Kunden, Kollegen oder regelmäßigen Besuchern dieser Website darauf aufmerksam gemacht werden.
Aber sollen wir die Anwältin aktivieren, wenn ein Pastor (!) und Unternehmensberater seine Präsentation über "Machtmenschen" mit einem Zitat aus unserem Artikel
Macht: Voraussetzung für erfolgreiches Change Management mit (unvollständiger) Quellenangabe einleitet, dann im weiteren Verlauf nicht nur wörtliche Zitate, sondern ganze Gedankengänge ohne Kennzeichnung aus unseren Artikeln Macht, Machtquellen und Machtmissbrauch übernimmt, sie reichlich mit Bibelzitaten durchmengt und dann auch noch die Chuzpe besitzt, das Ganze mit eigenem Copyright ins Internet zu stellen?
Manche halten es in eigener Sache offenbar bereitwillig mit Oscar Wilde: "Originalität ist die Kunst, sich Bonmots zu merken und dann zu vergessen, wo man sie gelesen hat." Leider bestätigt das, dass
Vertrauen nicht gleichbedeutend ist mit dem Verzicht auf Kontrolle.
Ich schreibe das deshalb so ausführlich, weil ich nachvollziehbar machen möchte, welchen Arten von Missbrauch der Copyright-Hinweis entgegenwirken soll. Sein Zweck ist nicht, Schüler und Studenten erschrecken oder sie gar abzukassieren: Wir verdienen mit unserem eigenen Geschäft wahrlich genug, um uns nicht von Fallenstellerei ernähren zu müssen. Der juristische Sinn des Copyright-Hinweises liegt einzig und allein darin, im Falle von Plagiaten sofort mit einer Abmahnung bzw. Unterlassungsklage und Schadensersatzforderungen reagieren zu können, ohne über angebliche "Irrtümer" und "Missverständnisse" diskutieren zu müssen.
Praktische Spielregeln
Für Studenten und Doktoranden, aber auch für Journalisten und Pastoren heißt das: Kürzere Zitate ("10-Zeilen-" bzw. "1000-Zeichen-Regel") können Sie gerne und ohne Rückfrage (und ohne Angst vor finanziellen Forderungen) verwenden, unter der einzigen Bedingung einer korrekten Quellenangabe. (Korrekt ist eine Quellenangabe genau dann, wenn sie eine eindeutige Identifikation der Herkunft ermöglicht; eben dies ist auch Sinn und Zweck der "wissenschaftlichen Zitationsregeln". Es genügt also nicht, den Namen des Autors oder "DIE UMSETZUNGSBERATUNG" zu nennen; vielmehr muss die Identifikation der Quelle ohne eigene Recherchen möglich sein – beispielsweise "Harvard Business Review, 2002, July, p. 74" oder Stichwort "Typologie" im "Lexikon des Change Management", www.umsetzungsberatung.de oder die vollständige Angabe der Internet-Adresse.)
Sofern für die Eindeutigkeit der Quellenangabe gesorgt ist, verspreche ich, auch bei mehreren Zitaten und auch bei Exzerpten nicht pingeling zu sein. Selbst wenn jemand ganze Referate oder Prüfungsarbeiten aus (korrekt gekennzeichneten) Zitaten zusammenbaut, soll das nicht unser Problem sein – möglicherweise aber das des Korrektors.
In diesem Sinne: Frohes Zitieren
und viel Erfolg mit Ihrer Arbeit
Winfried Berner
PS: Übrigens sind wir gerne bereit, Zeitschriften wie unternehmensinternen Publikationen gegen eine angemessene, im Voraus zu vereinbarende Vergütung Nachdruckgenehmigungen für unsere Artikel zu erteilen. Redakteure wie unternehmensinterne Kommunikatoren sind ausdrücklich eingeladen, deswegen Kontakt mit uns aufzunehmen. Auch für Interviews u.ä. stehen wir gerne zu Verfügung.