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Anzahl Nachrichten: 2 - Seiten (1): [1]
Autor: Daniel
Erstellt: 11.02.2008 - 19:35
Betreff: Personaleinsatzplanung
Sehr geehrter Herr Berner, werte Forumsteilnehmer,

zurzeit beschäftige ich mich im Rahmen meiner Diplomarbeit mit dem Thema Erfolgsfaktoren und Widerstände im Change Management. Dabei beziehe ich mich auf ein spezielles Beispiel in einem Unternehmen: Die Implementierung einer bedarfsgerechten Personaleinsatzplanungssoftware in einem Handelsunternehmen.

Ich habe bereits eine Vielzahl an Informationen für Widerstände, deren Ursachen und mögliche Lösungsansätze für diese zusammengetragen. Nur ein Punkt bereitet mir bisher noch Schwierigkeiten. Wenn diese neue Personalensatzplanung eingeführt wird, erfolgt eine Auflösung des bisherigen und langfristig genutzten Schichtsystems und die Umwandlung in eine bedarfsgerechte und felxible Personaleinsatzplanung. Ein großes Hindernis dabei sind die Automatismen und Gewohnheiten der Mitarbeiter. Die Gründe dafür habe ich bereits erarbeitet. Nur die Lösung bereitet mir noch einige Probleme.

Ich hab mir überlegt ausgewählte Mitarbeiter in einen Testmarkt unter den Bedingungen der neuen Personaleinsatzplanung eine gewisse Zeit arbeiten zu lassen. Diese könnten dann in ihre ursprüngichen Märkte zurückkehren und dort als Mutliplikatoren auftreten. Dadurch ist es durchaus möglich eine Einsicht für die Veränderung bei den Mitarbeitern zu schaffen, aber ich bin mir nicht sicher, ob dies eine nachhaltige Änderung der Gewohnheiten bei den Mitarbeitern auslösen kann. Aus Kostengründen ist es auch nicht möglich jeden Mitarbeiter in den Testmarkt kommen zu lassen, um Erfahrungen mit den neuen Arbeitsbedingungen zu sammeln.

Auch die reine Kommunikation und Appelle an Mitarbeiter erachte ich als nicht ausreichend, um langfristig angelegte Gewohnheiten zu verändern.

Über mögliche Lösungsansätze wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel M.

______________________________________
Dieser Thread wurde aus dem alten Diskussionsforum übernommen, deshalb hat sich das Datum geändert.
Der ursprüngliche Eintrag datiert vom 27.7.2006
Benutzerbild Autor: Winfried Berner
Erstellt: 11.02.2008 - 19:37
Betreff: re: Personaleinsatzplanung
Hallo Daniel,

Ihre Situationsbeschreibung liest sich zunächst so, als handele es sich um ein Change Management-Problem bei Implementierung eines IT-Systems. Beim genaueren Lesen habe ich aber zunehmend den Eindruck, dass der eigentliche Knackpunkt nicht die Akzeptanz der Software ist, sondern der Akzeptanz von deren Output, nämlich von veränderten, ständig wechselnden und für die Mitarbeiter kaum noch planbaren Arbeitszeiten.

Falls das zutrifft, Daniel, wäre meine erste Anregung, dass Sie sich etwas mehr in die betroffenen Mitarbeiter hineindenken. Wenn die mit den "flexiblen" Arbeitszeiten ein Problem haben, liegt das vermutlich nicht nur an "Automatismen und Gewohnheiten", wie Sie etwas abschätzig schreiben, sondern daran, dass die Leute auch noch ein Leben neben der Arbeit haben. Die Beschäftigten im Einzelhandel sind ja nicht gerade Großverdiener; viele von ihnen sind Teilzeitbeschäftigte, oft Frauen, die "nebenher" eine Familie zu versorgen, Kinder in den Kindergarten zu bringen, Schulkinder mittags zu verköstigen und bei den Hausaufgaben zu betreuen haben, und etliches andere mehr. Manche haben wegen ihres begrenzten Reichtums nur ein Auto in der Familie, sodass sie den Weg von und zur Arbeit mit ihrem Partner koordinieren müssen. Sind es da wirklich nur "Automatismen und Gewohnheiten", wenn die Leute mit Ihrer "bedarfsgerechten und flexiblen Personaleinsatzplanung" ein Problem haben?

Trotzdem kann es aus betrieblichen Gründen notwendig sein, die Personaleinsatzplanung stärker am tatsächlichen Bedarf auszurichten, statt sie, wie bisher, nach starren Schichtplänen zu bestimmen. Was in diesem Fall erforderlich ist, ist erstens, dies den Mitarbeitern (und dem Betriebsrat) klar und ehrlich zu sagen und es Ihnen nachvollziehbar zu begründen. Damit werden Sie zwar keine Beifallsstürme ernten, aber wenn Ihre Argumente stichhaltig sind, wird man sich dem nicht völlig entziehen können. Zweitens sollte dann ein fairer Interessenausgleich angestrebt werden. Ich verwende hier bewusst diesen Begriff aus dem Betriebsverfassungsgesetz, dessen eigentlicher Sinn leider weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Worum es hier geht, ist, nach einem fairen Ausgleich zwischen den (berechtigten) Interessen des Betriebes und den (ebenfalls berechtigten) Interessen der Beschäftigten zu suchen. Wenn Ihnen das gelingt, wird die Akzeptanz um ein Vielfaches größer sein als wenn die Geschäftsleitung den Beschäftigten das neue System einfach überzustülpen versucht.

Und weil wir schon dabei sind: Denken Sie daran, dass Änderungen der betrieblichen Arbeitszeiten nach § 87 I Nr. 2 BetrVG mitbestimmungspflichtig sind. Um eine Betriebsänderung handelt es sich wohl eher nicht, sonst wäre nach den §§ 111 ff. zwingend ein Interessenausgleich und Sozialplan erforderlich. Geprüft werden sollte aber, ob eine Flexibilisierung der Arbeitszeit einzelvertraglich überhaupt einseitig durch Anordnung des Arbeitgebers möglich ist oder ob dafür eine Änderung der Arbeitsverträge erforderlich ist, die nur entweder über freiwillige Vereinbarungen oder aber durch Änderungskündigungen möglich wäre.

Freundliche Grüße

Winfried Berner

PS: Ihre Überlegung mit dem "Testmarkt" ist dann (und nur dann) eine gute Idee, wenn Sie sich ziemlich sicher sind, dass die Testteilnehmer ein insgesamt positives Urteil an ihre Kollegen zurückmelden werden. Sollte dies, wie ich vermuten würde, nicht der Fall sein, könnte der Versuch nach hinten losgehen. Denn dann würden die Mitarbeiter und der Betriebsrat natürlich erst recht fordern, das "gescheiterte Experiment" schleunigst zu beerdigen. Wenn Ihr Unternehmen dann aber aus wirtschaftlichen Gründen auf diesem Weg bestehen müsste, hätten Sie die Widerstände mit Ihrem Vorgehen nicht gerade vermindert.
Anzahl Nachrichten: 2 - Seiten (1): [1]
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