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Anzahl Nachrichten: 3 - Seiten (1): [1]
Autor: Birgit Butz
Erstellt: 10.02.2008 - 19:18
Betreff: Wir-Gefühl
Sehr geehrter Herr Berner,

vielen Dank für Ihre informative und übersichtliche Internetseite. Die Maßnahmen, die seit Beginn der Fusionsverhandlungen und nach durchgeführter Fusion meines Arbeitgebers eingeleitet wurden, verstehe ich nach "Studium" Ihrer Seiten viel besser.

Aufgrund der Fusion wurde ein Leitbild entwickelt. Ich habe mich als "Prozeßbegleiter" gemeldet, um u.a. der Geschäftsführung Maßnahmen vorzuschlagen, "Wie das Leitbild besser im täglichen Handeln verankert werden kann".

Seit einiger Zeit habe ich eine Idee im Kopf, bei der ich mir nicht sicher bin, "ob der Schuß nach hinten losgeht".

Ich möchte eine kleine Ausstellung organisieren, in der lustiger Schriftverkehr mit Kunden, Bilder von früheren Betriebsfesten, Gegenstände mit unseren alten Logos und, und, und .... gezeigt werden.

Nützt eine derartige Ausstellung, um wahrsten Sinne des Wortes das "Wir-Gefühl" zu stärken, denn viele Mitarbeiter könnten sich einbringen und feststellen, dass wir über die gleiche Dinge in der Vergangenheit gelacht haben oder wird eher das Gefühl gestärkt "früher war alles besser"?

Über Ihre Antwort freue ich mich.

Birgit Butz

______________________________________
Dieser Thread wurde aus dem alten Diskussionsforum übernommen, deshalb hat sich das Datum geändert.
Der ursprüngliche Eintrag datiert vom 15.3.2006
Benutzerbild Autor: Winfried Berner
Erstellt: 10.02.2008 - 19:19
Betreff: re: Wir-Gefühl
Hallo Frau Butz,

das Zusammengehörigkeitsgefühl würde solch eine Ausstellung ohne Zweifel stärken – aber wessen Zusammengehörigkeitsgefühl?

Mit großer Wahrscheinlichkeit würde sie, wenn sie gut gemacht ist, jenen Teil der Firma, aus dem Sie kommen, stark und emotional ansprechen; zugleich würde sie Ihre neuen Kollegen von der anderen Seite aber ausgrenzen und brüskieren. Insofern bestünde tatsächlich die Gefahr, dass "der Schuss nach hinten losgeht" – auch in dem Sinne, dass die integrationsverantwortlichen Manager auf so eine Initiative möglicherweise sehr ungehalten reagieren.

Dennoch gibt Ihre Idee, glaube ich, einiges her. Prüfen Sie einmal folgende Überlegung:

(a) Wenn Sie diese Idee persönlich so stark anspricht, könnte das bedeuten, dass Sie trotz Ihrer Tätigkeit als Prozessbegleiterin innerlich noch nicht so ganz in der neuen Firma angekommen sind. Was wiederum damit zusammenhängen könnte, dass Sie vielleicht noch keinen so rechten Abschied von Ihrer alten Firma / Kultur / Umgebung genommen haben und deshalb noch nicht loslassen können bzw. wollen.

(b) Möglicherweise geht es vielen / etlichen / manchen / einigen Ihrer Kolleginnen und Kollegen ähnlich. Vielleicht sogar auch denen von der anderen Seite.

(c) In diesem Fall könnte es eine gute Idee sein, einen Prozess des Abschiednehmens und der Neuorientierung zu organisieren, der Ihnen und Ihren Kollegen die Möglichkeit gibt, im Sinne eines – jetzt erschrecken Sie bitte nicht – bayerisch-böhmischen Leichenschmauses mit Geschichten und Anekdoten, unter Tränen und Lachen Abschied von einem Teil Ihrer Geschichte zu nehmen, den Einschnitt so innerlich zu verarbeiten – und dann loszulassen und den Blick nach vorne zu richten. Eine Ausstellung könnte dabei helfen, aber nur dann, wenn sie die Vorgeschichte beider Seiten widerspiegelt.

Wenn Ihnen das als eine ernsthafte Option erscheint, scheinen mir drei Dinge besonders wichtig: Erstens dass Sie Ihre Kolleg(inn)en von der anderen Seite einbeziehen und den Prozess gemeinsam gestalten. (Dann kann das Sich-Gegenseitig-Anekdoten-Erzählen sogar eine ausgesprochen hübsche und integrierende Dramaturgie sein.) Zweitens, dass Sie den Prozess sensibel gestalten. (Bedenken Sie dabei, dass wir Jungs uns mit starken Emotionen oft etwas schwer tun.) Das müsste drittens bedeuten, dass Sie dies nicht im Alleingang organisieren, sondern gemeinsam mit einer möglichst gemischten Gruppe: Die "einen" und die "anderen", Weiblein und Männlein, alt und jung, ...

Soviel erst mal – ich bin gespannt, was Sie dazu meinen!

Freundliche Grüße

Winfried Berner
Autor: Birgit Butz
Erstellt: 10.02.2008 - 19:19
Betreff: re: re: Wir-Gefühl
Sehr geehrter Herr Berner,

vielen Dank für Ihre Antwort. Ich habe mich gefreut so schnell von Ihnen zu hören.

Ich habe lange an der Formulierung meiner Mail gefeilt und dann ist mir doch einer der Fehler unterlaufen, um deren Vermeidung Sie gebeten haben. Ich habe nicht alle wichtigen Fakten genannt :-)

Meine Firma hat vor 6 Monaten fusioniert. Wir sind jetzt rund 3.000 Mitarbeiter, die an 3 Standorten arbeiten.
Eine zünftige Party zu organisieren wird sicherlich nicht einfach sein, da viele Menschen untergebracht werden wollen und die Party nicht Geld kosten darf (ich arbeite im Öffentlichen Dienst). Wir werden sicherlich noch gute Ideen für ein gemeinsames Betriebsfest finden.

Die Mitarbeiter aller 3 Standorte sollen natürlich die Gelgenheit bekommen, an der "Ausstellung" mitzuwirken. Mir schwebt vor, die Kollegen über die Mitarbeiter-Zeitung anzusprechen. Zunächst will ich "den Ball flach halten" und nur ankündigen, dass in der Zeitung weiter berichtet wird. Sollte genügend Material eingereicht werden, wollte ich über die weitere Gestaltung einer Wander-Ausstellung nachdenken.

Ich werde über die Idee nochmals nachdenken, irgendwie erscheint sie mir jetzt nicht mehr rund. Und ich werde weiter nach Maßnahmen suchen, damit das Zusammengehörigkeitsgefühl gefördert wird.

Viele Grüße

Birgit Butz
Anzahl Nachrichten: 3 - Seiten (1): [1]
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