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Alle Kategorien > Change Management > NEU: Change Management in der Wirtschaftskrise > Too Big to Fail oder: Verhängnisvolle Anreize
Anzahl Nachrichten: 1 - Seiten (1): [1]
Benutzerbild Autor: Winfried Berner
Erstellt: 28.09.2009 - 13:25
Betreff: Too Big to Fail oder: Verhängnisvolle Anreize
Die Wirtschaftskrise scheint fast überstanden, und sie scheint weitaus glimpflicher verlaufen zu sein als viele, darunter auch ich, befürchtet hatten. Die meisten Indikatoren zeigen nach oben, der Aktienmarkt hat eine Rally hingelegt, die noch vor wenigen Monaten niemand für möglich gehalten hätte.

Ich bleibe skeptisch.

Was mich an einer dauerhaften Erholung zweifeln lässt, ist zum einen, dass sich die Lage der westlichen Industriestaaten fundamental deutlich verschlechtert hat. Sie sind am vorläufigen Ende dieser Krise höher verschuldet als sie es jemals waren. Und "die westlichen Industriestaaten" sind leider keine abstrakte Größe - das sind wir alle, Sie und ich und fast alle unserer Bekannten (und Unbekannten). Sie – wir – sind es, weil sie – wir – wohl keine andere Wahl hatten als die strauchelnden Banken von HRE bis Citi mit ihrem – unserem –Geld "aufzufangen"

Zum anderen ist das größte Problem, das uns in diese Verschuldung getrieben hat, nicht nur ungelöst, sondern weitgehend außerhalb jeder Diskussion: Dass es nämlich Banken und Versicherungen (AIG) gibt, die nicht pleite gehen können, weil sie nicht pleite gehen dürfen – "too big to fail". Und daher die staatliche Garantie auf Rettung haben.

Was das mit Unternehmenskultur zu tun hat?

In jedem Basislehrbuch der Ökonomie steht prominent der Lehrsatz, dass Menschen auf Anreize reagieren. Welche Anreize aber ergeben sich, wenn die Großen einer Branche damit rechnen können, dass sie zwar kleinere Verluste selber tragen müssen, dass aber große und existenzbedrohende Verluste aber nolens-volens von den Staaten aufgefangen werden müssen? Welche Anreize ergeben sich, wenn die Vorstände dieser Unternehmen zugleich unter dem ungebrochenen Druck stehen, bei der Eigenkapitalrendite ganz vorne mit dabei zu sein? Welche Unternehmenskultur entsteht unter solchen Bedingungen?

Richtig, unter solchen Bedingungen wäre es unvernünftig, vorsichtig zu agieren und die Risiken in Grenzen zu halten. Denn auf diese Weise bliebe man in seinen Erträgen mit tödlicher Sicherheit hinter jenen zurück, die höhere Risiken eingehen und deshalb auch höhere Risiken abliefern können.

Konsequenz: Der unfreiwillige staatliche Schutzschild macht es für Großbanken vernünftig, riskant zu spielen.

Aus der Analyse von Unternehmenskulturen wissen wir, dass es fatal für ein Unternehmen ist, wenn die Anreize absichtlich oder unabsichtlich so gestaltet sind, dass es für die Mitarbeiter aus ihrer subjektiven Sicht vernünftig wird, auf eine Weise zu Handeln, die für das Unternehmen als Ganzes schädlich ist. In gleicher Weise ist es fatal für eine Gesellschaft, wenn für ihre größten Unternehmen Handlungsweisen sinnvoll sind, die für die Gesellschaft als Ganze verheerend sein können.

Schlussfolgerung? Wenn nicht verhängnisvolle Anreize entstehen sollen, darf es keine Unternehmen, gleich in welcher Branche, geben, die nicht insolvent werden können, weil die Staaten dies im übergeordneten Interesse nicht zulassen dürfen. Denn sonst wird es früher oder später dazu kommen, in der die Staaten sich bei dem Versuch überheben, insolvenzgefährdete Großunternehmen zu retten – wenn dieser Fall nicht ohnehin schon eingetreten ist.

Keine Lösung in Sicht

Tatsächlich ist das "Too Big to Fail"-Problem, wie der Spiegel treffend schrieb, infolge der Krise(nbewältigung) noch größer geworden: "Die Bank Wells Fargo erwarb das Institut Wachovia, bisher Nummer vie im US-Markt, und verwaltet damit 138 Prozent mehr Aktiva als vor der Krise. Nach der Übernahme von Bear Stearns und Washington Mutual hat JPMorgan Chase seine Bilanzsumme um 39 Prozent erhöht. Die Bank of America verdoppelte diese, indem sie sich Countrywide und Merrill Lynch einverleibte. (…) Damit haben die größten Geldhäuser der Welt noch mehr als vor der Krise jene kritische Masse erreicht, bei der es – wie in einem Atommeiler – zu unkontrollierten Kettenreaktionen kommen kann. Bricht eines dieser Geldhäuser zusammen, reißt es nicht nur den Finanzsektor in den Abgrund, sondern die Wirtschaft mehrer Länder gleich mit. Kein Staat der Welt kann es sich leisten, solch einen Riesen stürzen zu lassen." (Spiegel 38/2009, S. 115)

Derzeit ist weder auf nationaler noch auf internationaler Bühne jemand zu sehen, der den Mut und die Macht hätte, dieses Problem ernsthaft anzugehen. Die G20 scheinen sich der Bedrohung sehr wohl bewusst zu sein, aber für mehr als kosmetische Maßnahmen – Begrenzung von Boni und Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen – scheint ihre Kraft nicht zu reichen.

Also werden wir wohl den Weg gehen, dass früher oder später neue "Bail-Outs" erforderlich werden. Und dass irgendwann die ersten Industriestaaten unter ihrer Verschuldung kollabieren. Das riecht nach Inflation und Währungsschnitt – nicht kurzfristig, aber mittelfristig.
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