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Anzahl Nachrichten: 7 - Seiten (1): [1]
Autor: Josi
Erstellt: 18.02.2008 - 14:31
Betreff: Fusion / Akquisition
Hallo!
Da ich derzeit an einer Arbeit zum Thema Integration akquirierter Unternehmen schreibe, suche ich seit langem schon nach der Unterscheidung zwischen Akquisition und Fusion. In der Literatur werden Mergers and Acquisitions stets gemeinsam als M&As genannt und alle integrationsbezogenen Erfolgsfaktoren scheinen ebenfalls sowohl auf Akquisitionen als auch auf Mergers zuzutreffen.
Daher meine konkreten Fragen:
1) Gibt es diese strikte Trennung in Fusion und Akquisition überhaupt?
2) Falls diese Trennung sinnvoll ist: war DaimlerChrysler eine Fusion oder Akquisition?
herzlichen Dank für eine Antwort im vorhinein
mfg
Johannes Fankhauser
______________________________________
Dieser Thread wurde aus dem alten Diskussionsforum übernommen, deshalb hat sich das Datum geändert.
Der ursprüngliche Eintrag datiert vom 16.11.2005
Autor: Winfried Berner
Erstellt: 18.02.2008 - 14:34
Betreff: re: Fusion / Akquisition
Hallo Herr Fankhauser,
in dem Artikel Übernahme, Merger, Fusion, Akquisition, Takeover, Integration: Was sich hinter den Begriffen verbirgt habe ich versucht, das zu entwirren.
Was das Verständnis unnötig schwer macht, ist, dass hier häufig drei Aspekte durcheinandergeworfen werden, die eigentlich überhaupt nichts miteinander zu tun haben, nämlich zum ersten die eigentumsrechtliche Seite, zum zweiten die Ausgestaltung der künftigen Unternehmensstruktur, und zum dritten die Gestaltung des Integrationsprozesses.
Eigentumsrechtlich ist die Welt im Prinzip ganz einfach: Entweder ein Unternehmen kauft das andere ("Acquisition", deutsch: Übernahme), oder die beiden Firmen werden *juristisch* verschmolzen. Im ersten Fall ist der alte Eigentümer des übernommenen Unternehmens "draußen"; er wird "herausgekauft" – was natürlich eine Menge Geld kostet, außer man zahlt ihn ganz oder teilweise in Aktien aus. Im zweiten Fall werfen die Eigentümer der beiden bisherigen Firmen, gleich ob Privatpersonen oder Kapitalgesellschaften, ihren Besitz zusammen ("Merger", deutsch: Fusion) und machen aus ehemals zwei Firmen und nun eine gemeinsame. Dazu müssen sie sich natürlich über die Eigentumsverhältnisse verständigen, das heißt erstens, wie sind die Mehrheitsverhältnisse an der neuen gemeinsamen Firma, und zweites, in welchem Verhältnis werden die Aktien getauscht.
Zwei völlig andere Baustellen, die mit der eigentumsrechtlichen Seite logisch überhaupt nichts zu tun haben (praktisch leider ein bisschen mehr) sind die Frage nach der künftigen Struktur des Unternehmens und nach der Gestaltung des Integrationsprozesses. Das betrifft zum einen die Integrationstiefe, zum anderen die Fusionsstrategie. Bei der Integrationstiefe geht es schlicht darum, ob die beiden Unternehmen überhaupt integriert werden sollen und falls ja, bis zu welchem Grade. Nur falls eine Verschmelzung (= Fusion; Achtung: andere Bedeutung des Wortes!) überhaupt vorgesehen ist, stellt sich die Frage nach der Fusionsstrategie, das heißt danach, auf welche Weise die Verschmelzung herbeigeführt werden soll. Hier kommen dann die berühmten Begriffe wie "Merger of Equals", "Best of Both Worlds" und, weniger berühmt, aber dafür in der Praxis häufiger, Eingliederung ins Spiel.
Ich glaube, es hilft, sich klarzumachen, dass Integrationstiefe und Eigentumsverhältnisse wenigstens logisch getrennte Dinge sind. Es ist also sowohl möglich, ein Unternehmen zu kaufen ("Acquisition") und dann einen "Merger of Equals" ("Fusion", 2. Bedeutung) anzustreben, als auch, eine (eigentumsrechtliche) Fusion vorzunehmen und die Unternehmen dann getrennt zu lassen und sie nur über eine Finanz- oder Management-Holding zu führen. Zwar ist beides untypisch – logisch ausgeschlossen ist es aber nicht.
Hilft Ihnen das, den Begriffswirrwarr zu entwirren?
Freundliche Grüße
Winfried Berner
Autor: Josi
Erstellt: 18.02.2008 - 14:35
Betreff: re: re: Fusion / Akquisition
Hallo Herr Berner!
Zunächst ein herzliches Dankeschön für die rasche und umfangreiche Antwort. Ich denke, ihr Artikel hat mir tatsächlich geholfen, die Begriffe ein bisschen zu entwirren.
Wenn ich nun noch einmal auf das schon genannte Beispiel zurückkommen darf: DaimlerChrysler.
Kann z.B. DaimlerChrysler also eigentumsrechtlich als Fusion angesehen werden, strukturell und integrationsspezifisch aber als Akquisition? Wäre diese Trennung zulässig und sinnvoll?
ein schönes Wochenende
mfg
Johannes Fankhauser
Autor: Winfried Berner
Erstellt: 18.02.2008 - 14:36
Betreff: re: re: re: Fusion / Akquisition
Autor: Nina Jacob
Erstellt: 12.03.2008 - 21:42
Betreff: re: Fusion / Akquisition
Hallo Herr Berner,
im Rahmen meiner Bachelorarbeit zum Thema Post-Merger Integration interessiert mich Ihre Definition von Merger-Motiven. In Ihrem Artikel "Synergieeffekte: Grund und zwingende Vorgabe für Fusionen" schreiben Sie sehr allgemein über die M&A-Motive, warum Unternehmen fusionieren (Kostensynergien und Marktsynergien). Sollte man nicht bedingt auf die nun sechste Merger-Welle eine Priorisierung vornehmen. Das heißt, ich würde gerne wissen, welches Motiv die momentane Merger-Welle charakterisiert.
Kann man Marktsynergie mit dem Begriff Wachstumssynergie gleichsetzen?
Ein anderer Punkt ist, jeder spricht davon, dass sich die Wirtschaft in der sechsten Merger-Welle befindet. Doch wann hat sie bekommen und wie kann man sie charakterisieren.
Ich freue mich über eine Antwort. Vielen Dank für Ihre Bemühungen.
Freundliche Grüße
Nina Jacob
Autor: Winfried Berner
Erstellt: 14.03.2008 - 08:51
Betreff: re: Fusion / Akquisition
Autor: Winfried Berner
Erstellt: 30.04.2009 - 11:19
Betreff: re: re: Fusion / Akquisition
Hallo Frau Jacob,
entscheidend ist nicht, wie man Dinge nennt, sondern was sie bezeichnen. Die Unterscheidung von Marktsynergien und Kostensynergien bezieht sich ganz simpel darauf, dass manche Synergieeffekte auf die Ausgabenseite der G+V wirken, andere auf die Einnahmenseite. Ob Sie letztere dann Markt-, Wachstums- oder Erlössynergien nennen, ist meines Erachtens eine Frage persönlicher Vorlieben.
Weshalb sich Entwicklungen in Wellen abspielen, auch wenn die zugrunde liegenden "Economics" eigentlich dieselben sind, zählt zu den ungelösten Rätseln der Ökonomie (oder vielleicht auch der Wirtschaftspsychologie). Vielleicht gibt es auch bei Fusionen und Übernahmen Schweinezyklen, nur dass die Schweinderln halt ein bisserl anders ausschauen. Ein Beschleuniger ist sicher, dass im Anstieg der Wellen immer wieder Motivlagen à la "Jetzt oder nie!" auftauchen, vielleicht auch beratergeschürte Panikwellen à la "Buy Or Be Bought", wie es meine Ex-Kollegen Willie Burnside und Heino Meerkatt einmal formuliert haben. Prinzipiell sehe ich keine anderen Gründe und Motive als früher.
Am Ende reduziert sich meines Erachtens alles auf Markt- und Kostensynergien .
Freundliche Grüße
Winfried Berner
Anzahl Nachrichten: 7 - Seiten (1): [1]
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