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Alle Kategorien > Change Management > Change Management allgemein > Messbarkeit von Change Management
Anzahl Nachrichten: 5 - Seiten (1): [1]
Autor: puyan
Erstellt: 18.02.2008 - 12:56
Betreff: Messbarkeit von Change Management
Hallo an Alle,

erstmal ein Lob an die gelungene Seite, steht wirklich sehr viel interessantes und nutzvolles drin! Ich bin Student und schreibe zur Zeit meine Diplomarbeit über Change Management, dabei hat mir diese Homepage schon einiges an nützlichen Informationen geliefert.

Also meine Frage ist: Wie macht man Change Management messbar? Ich arbeite bei einem Automobilhersteller der vor einem halben Jahr eine Change Management Abteilung eingeführt hat. Nun fängt der Vorstand an zu fragen wieviel denn die Abteilung bringt, welche Vorteile etc..!

Das ist natürlich schwer zu sagen denn man weiss kaum wie es ohne den Einsatz von Change Mangement gekommen wäre! Die Abteilungen in denen Change Mangement zum Einsatz kommt werden natürlich sagen der Erfolg kommt von ihrer Seite....die Change Agents sagen genau das gegenteil. Ich weiss nicht ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt die Aktivitäten des CM zu messen.

Bei den quantitativen Prozessen z.b. Erhöhung des Prozentuale Erhöhung des lokalen Einkauf (z.B. von 60% auf 80%)ist es natürlich einfach da man hierbei praktisch das Ergebniss sehen kann. Wie ist es aber bei (qualitativen) projekten die nicht unbedingt mit zahlen zu tun haben wie z.b. unternehmenskultur, PR etc..!

Hoffe jemand kann mir dabei weiterhelfen.

Vielen Dank

puyan

______________________________________
Dieser Thread wurde aus dem alten Diskussionsforum übernommen, deshalb hat sich das Datum geändert.
Der ursprüngliche Eintrag datiert vom 6.6.2004
Benutzerbild Autor: Winfried Berner
Erstellt: 18.02.2008 - 12:56
Betreff: re: Messbarkeit von Change Management
Hallo puyan,

ohne die unerforschliche Weisheit des Vorstands in Zweifel ziehen zu wollen: Schlau wäre es natürlich gewesen, diese Frage vor der Einrichtung der Abteilung zu stellen. So entsteht ein etwas paradoxer nachträglicher Rechtfertigungsbedarf für eine Entscheidung, die andere getroffen haben. Aber vielleicht ist es in Ihrem Hause ja möglich, ohne Anklage wegen Majestätsbeleidung die Frage zurückzugeben: "Aufgrund welcher Kosten-Nutzen-Kalkulation haben Sie, o Vorstand, die Abteilung denn eingerichtet?" Genau diese Kosten-Nutzen-Kalkulation sollte dann auch die Basis des Nutzen-Controlling sein.

Natürlich haben Sie Recht: Man weiß nie, wie es ohne Change Management gekommen wäre. Deshalb ist eine simple Differenzbetrachtung nach dem Design "Versuchsgruppe / Kontrollgruppe" nicht durchführbar. Das ist allerdings kein Change-Management-spezifisches Problem - das gilt für jede Investition. Stimmt es wirklich, dass die neue Fertigungsanlage so viel kostengünstiger produziert als die neue? Man weiß es nicht wirklich, weil die beiden Anlagen ja nicht nebeneinander die gleiche Baureihe fertigen. Üblicherweise behilft man sich hier damit, dass man auf der Basis von Vergangenheitsdaten Vergleichsrechnungen macht, nötigenfalls unter Zuhilfenahme einiger plausibler Annahmen.

Da es Veränderungsprozesse in Ihrem Unternehmen vermutlich auch schon vor Einrichtung der Change-Management-Abteilung gab, müssten Sie sich ggf. die Mühe machen, einige dieser früheren Projekte zu recherchieren und sie mit aktuellen Projekten zu vergleichen: Misserfolgsrate? Anzahl "gekillter" oder "sanft entschlafener" Projekte? Reibungsverluste? Verzögerungen der Umsetzung gegenüber der ursprünglichen Planung? Politische Kompormisse zu Lasten der optimalen Sachlösung? Folgekosten bzw. entgangene Vorteile? Widerstände und Umsetzungsschwierigkeiten? Abstimmungsaufwand? Dauer und Zeitaufwand der Verhandlungen mit dem Betriebsrat? Folgekosten?

Aber Vorsicht: Es könnte sein, dass sich niemand mehr für einen Nachweis des Nutzens Ihrer Abteilung interessiert, wenn Sie Anstalten machen, längst beerdigte Projekte zu "exhumieren". Möglicherweise bedeutet man Ihnen dann dezent, Sie mögen die (Sünden der) Vergangenheit besser ruhen lassen und keine entschlafenen Hunde wecken. Was eigentlich (k)ein Wunder wäre ...

Nur Mut und
freundliche Grüße

Winfried Berner
Autor: Eike Wagner
Erstellt: 18.02.2008 - 12:57
Betreff: re: re: Messbarkeit von Change Management
Hallo puyan, hallo Herr Berner,

das Thema Meßbarkeit von CM wurde schon einmal unter dem Stichwort "Wertbeitrag von Change Management" diskutiert. Der Beitrag müsste so um die Nummer 60 sein. Dort gibt es weitere interessante Ideen.

Grundsätzlich würde ich es stets ablehnen, den Nutzen von CM zu quantifizieren. Was sich jedoch anbietet ist, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge glaubthaft darzustellen. Zum Beispiel führt die Durchführung eines Teamentwicklungsworkshops (hoffentlich) zu verbesserter Zusammenarbeit im Team, weshalb das Feinkonzept rechtzeitig fertiggestellt werden kann, weshalb rechtzeitig mit der Implementierung begonnen werden kann, weshalb die betroffenen Mitarbeiter eher in den Prozess eingebunden werden können, weshalb es weniger Widerstände gibt, weswegen weniger Energie und Zeit der Mitarbeiter während der Implementierung "verschwendet" wird ... so etwas in der Art. Am Ende kommt man in der Regel auf einen Faktor, der sich notfalls quantifiziern ließe. Anyway ...

Viel Erfolg

PS: Mich interessieren die Ergebnisse. Die kommen hier im Forum meist zu kurz.
Autor: Bengt Behrend
Erstellt: 09.03.2008 - 14:15
Betreff: re: Messbarkeit von Change Management
Hallo an alle,
ich bin zufällig über diese Diskussion gestolpert und fühlte mich thematisch sofort "zuhause", weil dies eine Frage ist, die uns als Berater schon länger beschäftigt. Ich habe daraufhin in unserem Blog, der gerade im Aufbau ist, einen kurzen Beitrag zu dem Thema geschrieben:
Messbarkeit in Change Management Prozessen:
Aus unserer Sicht ist das Kernproblem, dass wir uns in Change Prozessen um die sogenannten Soft Facts kümmern und nicht um physikalische oder betriebswirtschaftliche Werte, Kennzahlen oder Messgrößen. Soft Facts sind eben solche Effekte in Change Prozessen wie die erfolgreiche(kulturelle) Integration nach Fusionen oder Zusammenlegung von Bereichen im Rahmen von Restrukturierungen, oder wie Verbesserung der Zusammenarbeit im Team. Das sind eben keine quantitativen Faktoren, sondern qualitative und deren objektive Messung ist nicht möglich. Man kann sie aber (subjektiv) beschreiben und bewerten.
Was unsere Erfahrung zeigt ist, dass eben genau dieser Effekt eine der wesentlichen Ursachen ist, weshalb man in Unternehmen Change Prozesse oft nicht in Gang bekommt, weil die Entscheider nicht "objektiv" messen können, was der Prozess denn bringt.
Wir haben für dieses Dillemma eine Lösuung gefunden. Wer sich dafür interessiert, schaue mal hier nach: http://www.blog.hbcontor.de/?p=56 bzw. www.changecontroller.de
Wir würden uns über weiterführende Diskussionsbeiträge oder Kommentare freuen.
Freundliche Grüße
Autor: Claudia Börger-Sikora
Erstellt: 18.04.2008 - 10:16
Betreff: re: Messbarkeit von Change Management
Hallo an alle,

ich bin auch zufällig auf diese Seite gekommen. Aber was ist schon Zufall. Die Frage die sich mir Stellt ist weshalb wird gerade jetzt, der Nutzen der Abteilung in Zweifel gezogen? Was genau führt dazu, dass der Ruf nach messbaren Ergebnissen und ZDF (Zahlen, Daten, Fakten) laut wird?
Möglicherweise spielt das Thema vertrauen hier eine Rolle. Oder kann es sein, dass man einen Praktikanten eine interessante Aufgabe geben möchte?

Aus meiner Sicht stellt sich die Frage, wie die Abteilung mit neuen Anforderung umgeht. Verstehe sie die Frage auf einer rein sachlichen Ebene, dann macht es sehr viel Sinn, sich über die Messbarkeit von Change Management Gedanken zu machen. Wird die Frage als Misstrauensfrage gewertet und auf einer Beziehungsebene verstanden, dann ist zu überlegen, wie das Vertrauen wieder hergestellt werden kann und wie mit einem internen Marketing für die Abteilung der Nutzen für alle Bereiche transparent gemacht werden kann.

freundliche Grüße
Anzahl Nachrichten: 5 - Seiten (1): [1]
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