Hallo Frau Matiwe,
die klare Antwort lautet, dass es hier keine klare Antwort gibt – und zwar deshalb nicht, weil es keine Instanz auf dieser Welt (und nach meiner begrenzten Kenntnis auch nicht außerhalb von ihr) gibt, die eine eindeutige Bedeutung der Begriffe festlegen könnte. Infolgedessen kann jeer die Worte so verwenden wie es ihm passt – sei es, weil er sich wirklich etwas dabei gedacht hat, oder auch nur, um seine Eigenständigkeit zu betonen. (Wozu wir Psychos immer sagen: Wo kein Zweifel, dort keine Beweisführung.)
Eine Differenzierung der Rollen im Change-Prozess ist durchaus zweckmäßig, und daher ist es auch sinnvoll, die verschiedenen Rollen mit Namen zu belegen. In meinen Augen wäre eine sinnvolle Möglichkeit, die Rollen zu unterscheiden, die folgende:
Change Leader:= Ein Top Manager, der bestimmte Veränderungen in seinem Verantwortungsbereich realisieren möchte und die Verantwortung dafür übernimmt – nicht nur wenn es schiefgeht, sondern auch und vor allem, damit es nicht schief geht. Idealerweise ist der Change Leader kein "Lonesome Heroe" mit John-Wayne-Blick, sondern der Schmied und Kristallisationskern dessen, was John Kotter die "Guiding Coalition" nennt. Ich verwende für diese Rolle meist den Begriff
Auftraggeber, auch wenn das vielleicht ein bisschen zu blass ist und den aktiven Anteil dieses Jobs zu wenig betont.
Change Manager:= Stellvertreter des Change Leaders auf Erden. Als externer Berater und/oder interner
Projektleiter hat er nicht die Macht und Autorität des Change Leaders und ist deshalb von dessen Unterstützung abhängig. (Andere Stellvertreter auf Erden haben das besser hingekriegt und sich weitgehend von ihrem Leader emanzipiert und ihre eigene Machtbasis aufgebaut. Aber das ist für Change Manager wohl schwierig.) Dafür hat der Change Manager in der Regel / hoffentlich (a) mehr Zeit für das Projekt und (b) mehr spezifische Kompetenz zur Logik und Methodik des Change Management.
Change Agents:= Die "Missionare" im Veränderungsprozess, die die Veränderung in die Fläche tragen und sie dort dank ihres Engagements, ihrer guten persönlichen Beziehungen und ihrer vorausgegangenen Schulung verbreiten und verankern. (Ich verwende für diese Funktion, um Missverständnisse zu vermeiden, meist den Begriff
Multiplikatoren.)
Aber selbstverständlich kann man jeden dieser Begriffe auch ganz anders belegen – zum Beispiel Change Agent als Synonym für Change Leader oder, wie ich auch schon gehört habe, "Business Champion" für Change Agent. Daher meine Empfehlung: Sparen Sie sich die Mühe, herauszufinden, was diese "wahre" Bedeutung dieser Begriffe ist, sondern definieren sie so, wie sie es für sinnvoll halten, und bleiben Sie, falls Sie nicht wichtige Gründe haben, davon abzuweichen, möglichst nahe am allgemeinen Sprachgebrauch!
Freundliche Grüße
Winfried Berner