Hallo Herr Isaak,
Ihre Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten – nicht nur, weil der Markt für Change Management-Ausbildungen nicht sehr transparent ist, sondern auch, weil sich die Frage nach dem "Konzept der Ausbildung" stellt.
Dem Gedanken eines Fachhochschul-Studiengangs stehe ich recht skeptisch gegenüber, weil ich starke Zweifel daran habe, wie gut die dortigen Referenten und Teilnehmer (!) eigentlich mit jener betrieblichen Realität vertraut sind, die sie verändern wollen. Ohne dass den Beteiligten daraus ein Vorwurf zu machen wäre, geraten solche Programme daher leicht zum "Trockenschwimmkurs" oder, etwas unhöflicher formuliert, zum "Brainfucking": Man entwickelt lebensfremde Lösungen für "ausgedachte Probleme".
Vielleicht ist es überhaupt eine Illusion, mit einem Ausbildungs- oder Studiengang eine "abgeschlossene" Ausbildung zum Change Manager erwerben zu können. Nach meiner Wahrnehmung ist der Auf- und Ausbau von Change Management-Kompetenz ein ewiger Lernprozess, der im Grunde nur durch die eigene Lebenserwartung begrenzt ist. Deshalb finde ich die Entscheidung zu einer "Patchwork-Strategie" eine durchaus erwägenswerte Alternative zu einer geschlossenen Ausbildung.
Wie ich in dem Artikel
Anforderungen an Change Manager ausgeführt habe, sind es in meinen Augen vor allem fünf Kompetenzfelder, auf denen ein angehender Change Manager seine Fähigkeiten auf- und ausbauen sollte:
1. Eine solide psychologische Qualifikation;
2. eine solide ökonomische Qualifikation;
3. fundierte Vertrautheit mit dem eigenen Anwendungsfeld;
4. mehrere Jahre Praxiserfahrung mit unterschiedlichen Veränderungsprozessen idealerweise in unterschiedlichen Unternehmen;
5. (angeleitete) Selbstreflexion und intensives Arbeiten an der eigenen Persönlichkeit.
Wo die Schwerpunkte zu setzen sind, hängt stark von der Vorbildung und den eigenen Vorerfahrungen ab. Hier empfiehlt sich meines Erachtens ein "engpasskonzentriertes" Vorgehen – das heißt konkret: Dort nachlegen, wo man bislang am schwächsten auf der Brust ist. (Also in diesem Fall bewusst nicht "Stärken stärken", sondern erst einmal ein hinreichend breites Fundament schaffen bzw. vorhandene Lücken schließen.)
Aus meiner begrenzten Marktübersicht kann ich Ihnen nur einige mit Sicherheit unvollständige Empfehlungen geben:
• Einen stark praxisorientierten Überblick über die wichtigsten Aktionsfelder des Change Management samt theoretischer Grundlagen bietet Ihnen unser Seminar
Change Management in Fallstudien.
• Fünfmal so viel Zeit, nämlich insgesamt 10 Tage, nimmt sich die Wiener
Beratergruppe Neuwaldegg für ihr Praxisprogramm Changemanagement. Ich kenne dieses Programm nicht aus eigener Anschauung und auch nicht über das Feedback von Teilnehmern, habe jedoch eine sehr hohe Meinung von einigen der Neuwaldegger Senior-Berater und -Beraterinnen.
• Eine nach Aussagen mehrerer Teilnehmer sehr fordernde und sehr empfehlenswerte Praxis-Supervision bietet
Dr. Klaus Doppler an, der Koautor des Standardwerks
Change Management und zahlreicher anderer Publikationen zum Change Management.
Das ist mit Sicherheit kein annähernd vollständiger Überblick über das, was es an guten Angeboten auf dem Markt gibt, aber es schöpft meine Kenntnis des Marktes bis zur Neige aus.
Wichtig scheint mir noch der Hinweis, dass Sie Ihre Change Management-Kompetenzen auch mit zahlreichen Seminaren (und
Büchern) erweitern können, in denen das Wort Change Management nicht einmal ansatzweise vorkommt. Das reicht von der Lektüre des Harvard Business Review (welches Ihnen in einzigartiger Weise zeigt, welche Themen Top Manager und ihre Berater derzeit beschäftigen) bis hin zu Kursen und Programmen zur Persönlichkeitsentwicklung. Letzteres erscheint mir deshalb so wichtig, weil es bei allem Ballihoo über "Tools" und Methoden letztlich der Change Manager selbst ist, der sein wichtigstes "Tool" ist.
Viel Erfolg bei Ihrem Einstieg ins Change Management (oder bei der Fortsetzung Ihres Einstiegs)
– und "Welcome to the Club"!
Winfried Berner