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Alle Kategorien > Fachliches, Technisches und Methodisches > Projekte und Projektmanagement > Projektmanagement im CM in betroffenem Unternehmen
Anzahl Nachrichten: 2 - Seiten (1): [1]
Autor: proactivus
Erstellt: 17.02.2008 - 18:00
Betreff: Projektmanagement im CM in betroffenem Unternehmen
Zunächst einmal herzlichen Dank für diese Quelle der Information und Inspiration!


Nun benötige ich als Betroffene Unterstützung und hoffe auf Ihren Rat:
Derzeit befinden sich diverse Berater in unserem Unternehmen. Bereits kurz nach Eintreffen der Berater wurde mir die Umsetzung eines mittelgroßen Projektes (Schließung eines Unternehmensbereichs, Integration einiger Mitarbeiter sowie Erstellung eines Konzepts für ein Outsourcing Projekt) übertragen. Das besprochende Coaching der Berater erstreckt sich einzig darauf, meine Projektergebnisse oder Zwischenstände abzufragen und in einigen Gesprächen anwesend zu sein. Meine Rolle als Projektleitung wurde nur mit meinen Vorgesetzten geklärt aber nicht weiterhin (an Mitglieder des Projektes) kommuniziert. Dies machte die Angelegenheit wirklich nicht leichter.

Dennoch: Der erste Teilbereich des Projekts ist bereits erfolgreich abgeschlossen. Ein Feedback habe ich leider nicht erhalten.
Ist es normal, dass das Feedback und die versprochene Unterstützung so marginal ausfallen? Gibt es hierfür Ihren Erfahrungen nach Gründe?

Mir ist darüber hinaus nicht ganz nachvollziehbar, was meine Rolle in diesem Projekt und vor allem in Anschluss an das Projekt ist. Selbstverständlich habe ich diesbezüglich bereits nachgefragt, die Antwort, die ich erhielt, war jedoch wenig überzeugend.

Ich bin mir derzeit nicht ganz sicher, in welchem Maß meine Kompetenzen auf dem Prüfstand sind, darüber hinaus bin ich auch verunsichert, da derzeit eine erste Entlassungswelle das Unternehmen überrolt. Weitere Entlassungen sind bereits absehbar, ich habe jedoch nicht vor, dabei zu sein. Vielmehr gilt mein Interesse, im neuen Gefüge des Unternehmens eine offizielle Führungsposition einzunehmen oder ins Untere/mittlere Management aufzurücken. Bislang hatte ich überwiegend Aufgaben zu erfüllen, die üblicherweise in der Management/Führungsebene angesiedelt sind, leider ohne die notwendigen Kompetenzen. Das war von der umsetzung her alles machbar, aber für mein fortkommen und weiere bewerbungen nicht gerade hilfreich.

Derzeit habe ich von Zeit zu Zeit das Gefühl, als zuverlässig arbeitender Workaholic den Beratern einen Teil der nowendigen Quick-Wins zuzutragen. Meine persönliche Zielsetzung ist jedoch eine andere. natürlich gibt es da noch die Möglichkeit, dass sich ein Quid pro Quo ergibt - Darauf zu setzten wäre aber sicher sehr naiv...

Wären nicht bereits fast alle Mitglieder der Managementebene/Geschäftsführungsebene entmachtet (zu der auch mein Vorgesetzter zählt), so hätte ich mit Sicherheit einige Orientierungspunkte...

Gibt es ein Verhalten, das meinen Zielen förderlich ist? Muss ich bereits jetzt schriftlich fixieren lassen, was meine Rolle in den neuen Strukturen (die ich festlege derzeit) sein wird? Sollte ich - falls ich hierzu keine Bestätigung erhalte - das Projekt abgeben?


Natürlich gibt es keine Garantien auf Erfolg, doch die Faktoren hierzu sind mit Sicherheit mitbestimmbar. Ich freue mich sehr über Hilfe von Experten / Betroffenen, die mir einige Tips hierzu geben können oder mir Ihre Erfahrungen mitteilen können, wie kann ich mein Fortbestehn/meinen Erfolg mitbestimmen, wie sollte ich die Lage einschätzen (besser gleich eine Bewerbung schreiben).

Zusatzinfo: Derzeit weisen viele Faktoren auf eine mögliche Betriebsänderung (Verkauf) hin. Hier wirken diverse Kräfte im Hintergrund, die ich aus meiner Perspektive leider nicht einschätzen kann.
Also: Alles sehr verworren - ich hoffe jedoch, dass in meiner Mail ersichtlich wird, welche Fragen ich mir derzeit stelle und wo ich auf Ihre/Eure Unterstützung hoffe.

______________________________________
Dieser Thread wurde aus dem alten Diskussionsforum übernommen, deshalb hat sich das Datum geändert.
Der ursprüngliche Eintrag datiert vom 31.5.2005
Benutzerbild Autor: Winfried Berner
Erstellt: 17.02.2008 - 18:01
Betreff: re: Projektmanagement im CM in betroffenem Unternehmen
Hallo Proactiva,

das klingt in der Tat schwierig und verworren, und es wirft sowohl die Frage auf, was in Ihrer Firma derzeit los ist, als auch, was dabei eigentlich Ihre Rolle ist und in welchen persönlichen Verstrickungen Sie sich befinden.

Beides finde ich schwierig zu beurteilen, da ich zwischen Ihren einzelnen Angaben kaum ein geordnetes Muster erkennen kann. Deshalb tue ich mir auch schwer, Ihnen irgendeine Art von Empfehlung zu geben.

Offenkundig ist für mich nur, dass Ihre Firma derzeit eine grundlegende Umstrukturierung durchläuft – ob aber aus Not oder zur Verbesserung der Ertragslage oder auch der Verwertbarkeit, vermag ich Ihren Hinweisen nicht zu entnehmen. Jedenfalls ist für solch tiefgreifende Veränderungen ein handlungsfähiges Management erforderlich. Andererseits beschreiben Sie die meisten Mitglieder der Geschäftsführung als entmachtet – wie passt das zusammen? Hat Ihre Firma in jüngster Zeit einen neuen Chef bekommen, der sich zum "starken Mann" gemausert hat?

Was Ihre eigene Rolle betrifft, fällt mir nur ein wiederkehrendes Muster auf: Dass Sie sich als "nützliche Idiotin" beschreiben. Ich verwende bewusst dieses harte Wort: Sie leisten – jedenfalls nach Ihrer eigenen Einschätzung – einen ganz erheblichen Beitrag zum Vorankommen des Unternehmens, werden dafür aber in keiner Weise honoriert. Weder in dem aktuellen Projekt, wo die Berater Ihre Ergebnisse als Quick Hits präsentieren, noch in Bezug auf ihre vorausgegangenen Funktionen. Ja, als Dank erhalten Sie nicht einmal ein Feedback oder eine klare Aussage über Ihre künftige Rolle im Unternehmen – bzw. ob es die überhaupt geben wird.

Dafür kann es zwei mögliche Gründe geben: Entweder sehen andere Ihren Beitrag – aus welchen Gründen auch immer – als deutlich geringer an als Sie selbst. Oder er ist tatsächlich so groß wie Sie sagen und wird auch so gesehen. Dann sollten Sie sich fragen, was Sie eigentlich mit sich machen lassen. Denn es hat ja keinen Sinn, geduldig abzuwarten, bis die Welt Ihnen Gerechtigkeit widerfahren lässt. Ihre einzige Chance ist, herauszufinden, was eigentlich Ihr eigener Anteil an der unklaren Situation ist, in der Sie sich befinden. Möglicherweise vermitteln Sie Ihrer Umgebung ja den Eindruck, dass Sie mit ein paar Brosamen und der nächsten Aufgabe abzuspeisen sind, wenn Sie nur weiter "mitspielen" dürfen?

Eine schriftliche Zusage über Ihre Zukunft wird Ihnen Ihr derzeitiger Chef nicht geben können, da er nach Ihren Worten entmachtet ist. Was er Ihnen aber geben könnte, wenn Sie ihn nur direkt (und mit der eventuell nötigen Hartnäckigkeit) danach fragen, ist ein ehrliches Feedback, wie er Ihren Beitrag zum laufenden Projekt und zu Ihren Leistungen der Vergangenheit sieht. Vermutlich könnte er Ihnen auch sagen, wie er Ihre Zukunftsperspektiven einschätzt. Vermutlich würde er das auch tun, wenn Sie ihm deutlich machen, dass Sie nicht an Beschwichtigung interessiert sind, sondern an Klarheit.

Falls Sie dabei zu dem Ergebnis kommen, dass andere Ihre Leistung und Ihren Beitrag zum Unternehmen völlig anders einschätzen als Sie selbst, könnte es ratsam sein, sich einen guten Coach zu suchen und mit ihm zu überprüfen, wie diese Differenz zwischen Ihrem Selbstbild und der Sicht der Umgebung zustande kommt. Falls Sie Ihren Beitrag im Wesentlichen richtig einschätzen, könnte ebenfalls ein Coaching ratsam sein, um aufzuarbeiten, was Sie dazu veranlasst, Ihr Licht systematisch unter den Scheffel zu stellen. Das wird zwar nicht ganz billig sein, aber allemal günstiger, als sich weiterhin unter Wert zu verkaufen.

Viel Erfolg damit und
freundliche Grüße

Winfried Berner
Anzahl Nachrichten: 2 - Seiten (1): [1]
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