Guten Tag Herr Berner,
ich bin Bediensteter einer Landesverwaltung und als solcher aufgerufen, mich an der Umsetzung von "Reformen" und "Verwaltungsmodernisierungen" zu beteiligen. Die Verwaltung bedient sich dabei auch externer Berater und möchte u.a. Methoden des CM zur Anwendung bringen. Entsprechende Lehrgänge, die den Zweck haben sollen, zu erwartenden Widerständen zu begegenen, stehen bevor. Ich habe nun Bedenken, ob die Umsetzung der Veränderungen nicht schon deshalb auf massiven (verdeckten) Widerstand der Bediensteten stoßen wird, weil man in der Vergangenheit Veränderungen grundsätzlich schlecht verkauft und damit ein Glaubwürdigkeitsproblem geschaffen hat. Beispiele: Vor wenigen Jahren wurde das Besoldungssystem zu Lasten aller Bediensteten verändert, um ein Anreizsystem (Leistungsprämien) finanzieren zu können. Die Leistungsprämien, an deren Verteilung wir uns mit Schwierigkeiten gewöhnt hatten, wurden nach nur 2 Jahren wieder abgeschafft, die strukturellen Verschlechterungen natürlich beibehalten. In der Folge kam es zur Streichung des Urlaubsgeldes, zur Kürzung des Weihnachtsgeldes, zur Anhebung der Arbeitszeit von 38,5 auf 41 Stunden und zu weiteren Verschlechterungen bei gleichzeitiger Arbeitsverdichtung. Nun stellen externe Berater das Ergebnis einer von der Landesregierung eingesetzten Expertenkommission zur Verwaltungsmodernisierung vor. Die Kommission hat Vorschläge zur Reform des Dienstrechts, zur Veränderung des Besoldungssystems und zur Verwaltungsmodernisierung gemacht. Präsentiert wurden nur die - relativ harmlosen - Ergebnisse zur Verwaltungsmodernisierung, die höchst heiklen anderen Themen wurden bewusst ausgespart (in ca. 10 Monaten sind Landtagswahlen). Im Zuge einer gut gemeinten Informationskampagne werden aus meiner Sicht Ängste und Befürchtungen der Bediensteten geradezu angeheizt. Nach den Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit muss eine Mehrheit der Bediensteten davon ausgehen, die anstehenden Veränderungen müssten geradezu persönliche Nachteile mit sich bringen. Zudem sind auch die fachlichen Veränderungen nicht unumstritten. Hier wird der Verwaltung von "Altgedienten" oft der Vorwurf gemacht, den Ast abzusägen, auf dem man sitzt, nur weil gerade Brennholz gebraucht wird.
Ich sehe nun das Problem, an sich berechtigte Anliegen durchzusetzen, weil m.E. die Glaubwürdigkeit verspielt, mindestens aber beschädigt ist. Sehen Sie Lösungsansätze?
Mit freundlichen Grüßen
Thomas
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Dieser Thread wurde aus dem alten Diskussionsforum übernommen, deshalb hat sich das Datum geändert. Der ursprüngliche Eintrag datiert vom 26.7.2004
ich bin Bediensteter einer Landesverwaltung und als solcher aufgerufen, mich an der Umsetzung von "Reformen" und "Verwaltungsmodernisierungen" zu beteiligen. Die Verwaltung bedient sich dabei auch externer Berater und möchte u.a. Methoden des CM zur Anwendung bringen. Entsprechende Lehrgänge, die den Zweck haben sollen, zu erwartenden Widerständen zu begegenen, stehen bevor. Ich habe nun Bedenken, ob die Umsetzung der Veränderungen nicht schon deshalb auf massiven (verdeckten) Widerstand der Bediensteten stoßen wird, weil man in der Vergangenheit Veränderungen grundsätzlich schlecht verkauft und damit ein Glaubwürdigkeitsproblem geschaffen hat. Beispiele: Vor wenigen Jahren wurde das Besoldungssystem zu Lasten aller Bediensteten verändert, um ein Anreizsystem (Leistungsprämien) finanzieren zu können. Die Leistungsprämien, an deren Verteilung wir uns mit Schwierigkeiten gewöhnt hatten, wurden nach nur 2 Jahren wieder abgeschafft, die strukturellen Verschlechterungen natürlich beibehalten. In der Folge kam es zur Streichung des Urlaubsgeldes, zur Kürzung des Weihnachtsgeldes, zur Anhebung der Arbeitszeit von 38,5 auf 41 Stunden und zu weiteren Verschlechterungen bei gleichzeitiger Arbeitsverdichtung. Nun stellen externe Berater das Ergebnis einer von der Landesregierung eingesetzten Expertenkommission zur Verwaltungsmodernisierung vor. Die Kommission hat Vorschläge zur Reform des Dienstrechts, zur Veränderung des Besoldungssystems und zur Verwaltungsmodernisierung gemacht. Präsentiert wurden nur die - relativ harmlosen - Ergebnisse zur Verwaltungsmodernisierung, die höchst heiklen anderen Themen wurden bewusst ausgespart (in ca. 10 Monaten sind Landtagswahlen). Im Zuge einer gut gemeinten Informationskampagne werden aus meiner Sicht Ängste und Befürchtungen der Bediensteten geradezu angeheizt. Nach den Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit muss eine Mehrheit der Bediensteten davon ausgehen, die anstehenden Veränderungen müssten geradezu persönliche Nachteile mit sich bringen. Zudem sind auch die fachlichen Veränderungen nicht unumstritten. Hier wird der Verwaltung von "Altgedienten" oft der Vorwurf gemacht, den Ast abzusägen, auf dem man sitzt, nur weil gerade Brennholz gebraucht wird.
Ich sehe nun das Problem, an sich berechtigte Anliegen durchzusetzen, weil m.E. die Glaubwürdigkeit verspielt, mindestens aber beschädigt ist. Sehen Sie Lösungsansätze?
Mit freundlichen Grüßen
Thomas
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