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Anzahl Nachrichten: 4 - Seiten (1): [1]
Autor: Tanja Müller
Erstellt: 10.02.2008 - 17:44
Betreff: Visualisierung in Change Management Prozessen
Guten Tag, ich bin derzeit auf der Suche nach Bildern / Bidlwelten, die Themen wie Veränderung, "auf dem Weg sein", "ein klares Ziel haben" etc. symbolisieren. Hintergrund ist, dass auf einer Veranstaltung zum Thema Change (auch wenn der Prozess nicht neu ist) die Kernbotschaften nicht über übliche "Zahlen & Fakten"-Charts transportiert werden sollen - zumal dann ja erfahrungsgemäß bei der Hörerschaft nicht so viel hängenbleibt.
Drei Fragen tun sich für mich auf:
Macht das Einsetzen solcher Bildwelten (oder eines klaren, symbolischen Bildes) Sinn?
Und wenn ja: wo finde ich dazu Material oder Informationen?
Hat jemand schon Erfahrungen mit einer ähnlichen Visualisierung?
______________________________________
Dieser Thread wurde aus dem alten Diskussionsforum übernommen, deshalb hat sich das Datum geändert.
Der ursprüngliche Eintrag datiert vom 21.9.2005
Autor: Winfried Berner
Erstellt: 10.02.2008 - 17:44
Betreff: re: Visualisierung in Change Management Prozessen
Hallo Frau Müller,
obwohl ich eigentlich ein "visueller" Mensch bin, zählt der Einsatz von (projizierten) Bildern weder zu meinen Vorlieben noch zu meinen besonderen Stärken. Von daher müssen Sie das Folgende wohl "cum grano salis" nehmen:
Ich habe massive Zweifel, ob die üblichen ClipArt-Bildchen von händeschüttelnden, lächelnden, nickenden (...) Managern und Managerinnen irgend einen nennenswerten Effekt haben. Mich jedenfalls öden sie eher an, und ich habe den Verdacht, dass ich da nicht der Einzige bin. Auf höheren Management-Ebenen kursiert mittlerweile der Spruch: "Zeigen Sie uns eine Powerpoint-Präsentation oder haben Sie uns etwas zu sagen?"
Ich bin mir auch nicht sicher, ob solche Dinge wie Projektlogos etc. von großem Nutzen sind. Deren Anhänger sprechen zwar immer von einem "Wiedererkennungswert" – aber bedarf ein wichtiges Projekt im Unternehmen wirklich einer Wiedererkennungshilfe? Auch kann ich nicht erkennen, dass ein noch so sympathisches Bild oder Logo in der internen Kommunikation einen positiven Imageeffekt hätte. Solche Bilder beeinflussen vermutlich, wie man es in der älteren Wahrnehmungspsychologie genannt hätte, die "Anmutung", also die Gefühlslage des ersten Eindrucks. Aber sie beeinflussen meines Erachtens in keiner Weise, wie ein Projekt (oder eine Funktion) innerbetrieblich wahrgenommen wird: Wenn das Projekt einen zweifelhaften Ruf hat, helfen auch hübsche Bildchen nichts – wenn der Ruf gut ist, schaden die Bilder nichts, aber sie helfen auch wenig.
Deshalb warne ich davor, den abgedroschenen Spruch "Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte" unbesehen zu glauben. Alternativangebot: "Ein Bild stiftet mehr Verwirrung als Tausend Worte." Nehmen Sie als eine weitere Illustration die ganzen Piktogramme aus Gebrauchsanweisungen und Fachbüchern, die mittlerweile gang und gäbe sind. Ich weiß nicht, wie Sie damit umgehen; ich jedenfalls finde es zu mühsam, mir für jedes Buch neue Piktogramme einzuprägen, und lasse sie schlicht unbeachtet.
Aus all diesen Gründen habe ich Zweifel, dass der Einsatz von Bildern / Bildwelten im Change Management sehr großen Nutzen bringt. Vielleicht kann es bei sparsamem Einsatz Ihre "Kernbotschaften" illustrieren und damit ein bisschen die Erinnerung unterstützen. (Das könnte man bei vertieftem Interesse übrigens messen.) Doch ich bezweifle, dass Bilder, auch wenn sie noch so sorgfältig ausgesucht sind, die Herzen der Mitarbeiter erreichen werden. Falls Sie das anstreben, empfehle ich Ihnen einen Blick in das Buch Unmöglichkeiten sind die schönsten Möglichkeiten von Sabine M. Gruber. Sie berichtet am Beispiel des Dirigenten Nikolaus Harnoncourt über eine völlig andere Art von Bildern: nämlich solche, die über Sprache geschaffen werden und nicht auf der Leinwand entstehen, sondern in den Köpfen der Zuhörer.
Freundliche Grüße
Winfried Berner
Autor: Tanja Müller
Erstellt: 10.02.2008 - 17:45
Betreff: re: re: Visualisierung in Change Management Prozessen
Danke für die ausführliche Antwort, Herr Berner. Von (abgedroschenen) Clip-Arts halte ich ebenfalls gar nichts. Ich denke eher an die Übertragung der Change Situation auf eine Bildwelt wie "Weg", "Kreuzung", "Vorfahrtsschild", "Umleitung" etc., die ergänzend zu einer guten Rede die Reise, auf der man sich befindet, darstellt. Ist das nicht erheblich einprägsamer als Zahlen & Fakten? Und kann das den Zuhörer überfordern bzw. von der eigentlichen Rede zu sehr ablenken?
Das Buch klingt sehr interessant und ich werde auf jeden Fall reinschauen.
Herzliche Grüße,
Tanja Müller
Autor: Winfried Berner
Erstellt: 10.02.2008 - 17:45
Betreff: re: re: re: Visualisierung in Change Management Prozessen
Hallo Frau Müller,
ja, das kann man sicherlich machen, jedenfalls wenn die Metapher zwar durchgezogen, aber nicht totgeritten wird. Einen sehr durchschlagenden Effekt würde ich mir davon zwar nicht erhoffen, aber eine Orientierungshilfe und vielleicht auch eine gewisse Entspannung und Entkrampfung, wenn die Metapher angenommen wird.
Die Zahlen, Daten und Fakten würde ich allerdings trotzdem nennen, zumindest die wichtigsten, denn die Zuhörer sollen ja vermutlich auch inhaltlich überzeugt werden und nicht nur eine angenehme Darstellung eingelullt.
Ob die Bilder von der eigentlichen Rede ablenken, ist meines Erachtens eine Frage ihres Einsatzes: Das hängt davon ab, ob sie sich in den Dienst der Sache stellen oder sich selbst in den Mittelpunkt drängen.
Freundliche Grüße
und ein sonniges Herbstwochenende
Winfried Berner
Anzahl Nachrichten: 4 - Seiten (1): [1]
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